Eine duftende Geschichte
- zurBetreuung / Beschäftigung an Demenz Erkrankter unter Nutzung der Aromapflege / Aromatherapie
Der kleine bunte Schmetterling - My Butterfly
Der kleiner schöner Schmetterling wollte eine Braut haben und sich unter den Blumen eine recht schöne, anmutige aussuchen.
Er warf einen prüfenden Blick über den ganzen Blumenflor und fand, dass jede Blume recht stolz und ehrsam auf ihrem Stengel saß, gerade wie es einer Jungfrau geziemt, wenn sie nicht verlobt ist; allein es waren gar so viele da, und die Brautwahl drohte, mühsam zu werden.
Diese Mühe gefiel dem Schmetterling nicht, deshalb flog er auf Besuch zur Bergamotteblüte .
Ihr Name war Margarete.
Von ihr hatte er gehört, sie könne wahrsagen.
Dieses Blüte duftet fruchtig - lebhaft, stimmungserhebend und bringt uns zum Glücklichsein.
So hatte der Schmetterling die Idee, sich ein Gänseblümchen zu pflücken und dieses nach altem Brauch zu befragen :
Bei jedem Blättelein, welches ich abzupfe frage ich nach der Liebe: "Von Herzen? - Mit Schmerzen?
- " Sie liebt mich, sie liebt mich nicht " und dergleichen mehr.
Der Schmetterling kam also zu Margarete, um sie um Rat zu fragen.
Er zupfte nicht nur die Blätter aus, sondern er drückte jedem Blatte einen Kuss auf, denn er meinte, man käme mit dergleich Gefühl und Liebe besser zum Glücke.
"Beste Margarete„ sprach er zu ihr,
"Sie sind für mich die klügste Frau unter den Blumen, Sie können sehen, was wir nicht sehen und Sie können wahrsagen, so bitte ich Sie , mir zu sagen, bekomme ich diese oder diese ?
Welch schönes Pflänzchen wird meine Braut sein?
Wenn ich es weiß, werde ich geradewegs zu ihr hinfliegen und um ihre Hand anhalten.“
Allein Margarete antwortete ihm nicht, sie ärgerte sich, dass er sie "Frau" genannt habe, da sie doch noch eine Jungfrau sei - das ist ein großer Unterschied fand Margarete!
Er fragte zum zweiten- und zum dritten male; als sie aber stumm blieb und ihm kein einziges Wort entgegnete, so mochte er zuletzt auch nicht länger fragen, sondern flog davon, und begab sich selbst auf Bruatsuche...
Es war in den ersten Tagen des zaghaft grüßenden Frühjahrs, ringsum blühten inzwischen Schneeglöckchen und Krokus.
Die sind sehr niedlich, dachte der Schmetterling, allerliebste kleineWesen, aber mir doch ein wenig zu jung und sie als Braut zu werben!
Er, wie alle jungen Männer, schaute nach älteren Mädchen aus.
Darauf flog er auf die Zitronenblüten ( Zitrone ) zu; aber sie waren ihm doch ein wenig zu sauer, wenn gleich sie doch einen erfrischenden und aktivierenden Duft verströmten und er so wieder zu Klarheit kam,
dieGrapefruit beflügelte seine Sinne und belebte seinen Geist, aber auch das erfüllte noch nicht all seine Wünsche.
Die Lavendelblüten waren ihm zu klein – wenn sie auch seine Seele streichelten und schützten, ja, sie sahen zwar wunderschön und zierlich , auch graziös aus und so zart bemalt, aber sie würden nicht all seine Wünsche erfüllen können, so meinte er.
Die Kamillenblüte gefiel ihm am besten, wunderschön zart war sie und fein und gehörte zu den häuslichen, wie gradlinigen Mädchen, die gut aussehen und doch für vieles im Hause und in der Küche taugen; er stand eben im Begriffe, seinen Liebesantrag zu stellen
- da erblickte er dicht neben ihr – gebettet in eine dichte, dornige Hecke - eine noch schönere Blüte, wunderschöne rote Blätter umrahmten ihr zartes Gesicht.
"Wer ist jene, so wundersame, aber sich mit Dornen umgebende Schönheit ?" fragte er.
Eine Efeuranke hing frisch-strahlend grün über einem Zaun hinaus, derartige Fräulein gab es in Hölle und Fülle: mit langen Gesichtern , gelblich umrandeten Teint, nein, die Art gefiel ihm nicht und so fragte er auch nicht nach der eben gesehenen Schönheit.
Aber jene da, wer war sie wohl ?
Der Schmetterling war von der Schönheit der dornigen roten Dame so beeindruckt, das er es nicht wagte , sie nach ihrer Herkunft und ihrem Sein zu fragen.
Der Sommer verstrich und es war Herbst, aber der Schmetterling war noch immer unschlüssig.
Die Blumen erschienen im Sommer und Herbst in den prachtvollsten Gewändern - doch vergeblich!
Es fehlte ihnen der frische, duftende Jugendsinn. Duft begehrt das Herz, wenn es selbst nicht mehr jung ist, und gerade hiervon ist bitter wenig bei den zwar wunderschön, aber viel zu kurz blühenden Blumen zu finden.
So wandte sich denn der Schmetterling der Minze zu ebener Erde zu.
Sie ist ganz und gar in Blüte, duftet stark von unten bis oben, hat Duft und Kraft in jedem Blatte. Der Schmetterling kam zu einem wachen, kühlem Kopfe, zu klaren Gedanken und frischem Atem.
Diese, ihm zwar wohltuende Pflanze, hatte im spätem Herbst aber nur noch wenige Blüten.
"Dann werde ich eben diese nehmen! Eine so helfende Frau ist besser, als eine ferne, aber wunderschöne Frau und immer noch besser, als gar keine " sagte der Schmetterling.
Und nun hielt er um sie an.
Aber die Minze stand steif und still da und hörte ihn auch an; und endlich sagte sie: "Freundschaft, ja! Aber weiter nichts! Ich bin alt und Du bist auch alt; wir können zwar sehr wohl füreinander leben, aber uns heiraten und eine liebevolle und erfüllende Ehe führen – nein, das geht wohl nicht mehr! Machen wir uns nicht zum Narren in unserm Alter!"
So kam es denn, dass der Schmetterling zurück flog zur Hecke, an welcher er des Sommers die wundervolle tiefrote Blüte gesehen hatte.
Die Blüte lag in würdevoll gefalteten Blättern in ihrem Bette und vermittelte noch immer die Hoheit des Sommers.
„Wer bist du nur, nach dir sehnte ich mich den ganzen Sommer und nun habe ich den Mut gefasst und möchte um dich anhalten„ sagte der Schmetterling.
„Ich bin eine Rose, auch ich finde dich schön, so leicht und beschwingt, so bunt und so frei, dies alles in jungen Jahren.
Aber im Alter gebe ich dir Kraft auch an Tagen der Schwermut, in Krankheit und Kraftlosigkeit. Im Alter rege ich dich an, immer wieder Mut und Freude zu empfinden, deine eigenen Wege zu gehen. Sogar auf dem letzten Wege werde ich dich, mein Freund begleiten und nie allein lassen.“
Nun war es Spätherbste, Regen und trübes Wetter. Der Wind blies kalt über den Rücken der alten Weidenbäume dahin, so dass es in ihnen knackte.
Der Schmetterling, auch im Herbst seiner Jahre angelangt, dem einen oder anderem Gebrechen und sich sehr wohl der begrenzten Lebensspanne bewusst, lernte im Beisammensein mit der , auch ins Alter gekommenen Rose, ihre hilfreichen Heilkräfte zu schätzen.
Nun war es kein Wetter mehr, um im Sommeranzug umher zufliegen; aber der Schmetterling flog auch nicht mehr nach draußen, nun war er angekommen, in Liebe und Dankbarkeit.
Ihre Sylvia Beneke
2009